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Traditionen

Viele ladinischen Traditionen werden heute nicht mehr abgehalten. Viele sind in Vergessenheit geraten, andere wurden einfach mit der Zeit ausgelassen.
Die Bevölkerung ist sehr katholisch, deshalb sind ein Großteil der ladinischen Traditionen mit den Christlichen Feiertagen verbunden

„La granara de saresc“ oder auch „granara dal belorì“
Am Palmensonntag freuen sich alle Kinder, da sie ihre großen Palmkatzen-Besen in die Kirche bringen können, wo diese gesegnet und dann auf dem Gartenzaun befestigt werden. Dies hält allen Unheil ab und bringt den Leuten Schutz und Segen. Jeder bemüht sich, den höchsten und schönsten „granara de saresc“ in die Kirche zu tragen. Doch auch wenn der Palmkatzen-Besen nicht besonders groß ist, braucht sich niemand zu schämen, einzig wenn ihm die „granara“ auf dem Weg umfällt.

„Pechè“ oder „cufé“
Zu Ostern spielen die Männer und Buben mit den gefärbten Eiern „cufé“: einer schlägt sein Ei mit der Spitze auf das Ei des Gegners, der Besitzer des unversehrten Eis erhält das kaputte Ei. Sinn des Spieles ist es, viele Eier zu gewinnen. Man nennt diesen Tag auch „Segra dai Üs“ , übersetzt heißt das „Kirchtag der Eier“. Die Musik spielt auf und man trifft sich von überall her.

„Jì a üs“ – Eier sammeln
Am Ostermontag gehen die jungen Männer zu den Mädchen, um Eier zu sammeln. Dabei gibt es die Regel, dass  jeder mindestens 2 Eier bekommt. 4 Eier jener, den das Mädchen nicht mag, 6 Eier der Geliebte und 12 Eier  der Verlobte. Sie eiferten von Haus zu Haus um viele Eier zu sammeln – früher waren gekochte Eier eine Delikatesse – um sie dann beim „pechè“ oder „cufé“ einzusetzen. Einige nahmen auch ihre Instrumente, wie z. B. die Ziehharmonika mit, um dann in geselliger Runde zu singen und zu tanzen.

Festa de Santa Maria dal Ciüf
Am 15. August feiert man das Fest der „Santa Maria dal Ciüf“ (= Hl. Maria mit der Blume ). Dies ist einer der schönsten Feiertage des Jahres. Die Bäuerinnen bringen einen Korb, der mit heilenden Kräutern, Mehl, Salz und Blumen beschmückt wird, in die Kirche, wo der Pfarrer sie segnet. Dieser Korb wird aufbewahrt und bei schlimmem Unwetter im Ofen verbrannt.
Le ćiaval y la iarina (=Das Pferd und die Henne)
Zu Allerheiligen bekommen die Patenkinder (Buben) von ihren Paten ein süßes Brot in Form eines Pferdes und die Mädchen in Form einer Henne.

Die „Donacia” oder „Poscignara”
Am 6. Januar verkleiden sich die jungen Mädchen als „Poscignara“. Die Poscignara ist eine hässliche, alte und runzelige Frau, die von Haus zu Haus geht, um das letzte Jahr und die alten Geister hinauszukehren. Mit dunklen und schweren Kleidern und mit Ruß beschmutzt kehrt sie den Boden. Am Rücken trägt sie einen Korb, um die bösen Kinder mitzunehmen und in der Hand den Besen um das alte Jahr aus den Häuser zu fegen. Sie ist buckelig, hat eine große Hakennase und nur mehr einen Zahn. Ihre Stimme ist rau und beängstigend. Ihre Haare sind grau und werden von einem alten und schmutzigen Kopftuch zusammengehalten. Darüber trägt sie einen Strohhut.
Es ist üblich dass man ihr  zu trinken und zu essen gibt.

Les tlocheradures
Am Tag vor dem Kirchtag wurden in den Häusern die sog. „crafuns da segra“ (eine Art Krapfen) gebacken. Da man diese nur selten machte, waren sie sehr gefragt. Deshalb gingen die jungen Männer der Nachbarsdörfer zu den Familien um sie „abzubitten“. Früher verkleideten sie sich, beschmierten sich mit Ruß und lärmten mit Töpfen, Glocken und Ziegenhörnern. Man ging vorzugsweise zu jenen Höfen, an denen schöne Mädchen wohnten, dort bekam man „crafuns da segra“ und zu trinken, man spielte die Ziehharmonika und tanzte.



Einige Bräuche an Hochzeiten

Fortaies (=Strauben)
Am Abend, an dem der Bräutigam ins Haus der Braut kommt, um die Hochzeit vorzubereiten, werden die „Fortaies“, ein spiralförmiges Gebäck aus Eiern, Milch und Mehl, aufgetischt. An diesem Abend ist es Brauch, dass die Freunde des Bräutigams, die Nachbarsjungen oder andere eifersüchtige Männer, die das Mädchen selber gern zur Frau hätten, die „Furtaies“ stehlen. Geschah dies, musste man die mühsame Arbeit von Neuem beginnen.

Parada & „fà la sarada“
Am Tag der Hochzeit werden Paraden aufgeführt, um den Weg zur Kirche zu versperren. Thema der Paraden ist meist der Bräutigam, sein ehemaligen Liebschaften und seine Tollheiten. Man versucht, der Braut weiszumachen, dass sie eine schlechte Wahl getroffen habe. Der Brautführer muss sich den Weg freikaufen. Eine Hochzeit mit ihren Paraden ist für das ganze Dorf ein Fest, das man sich nicht entgehen lassen kann. Die Paraden sind nicht ernst zu nehmen, man scherzt und macht Streiche.
Die erste Parade wird von der Braut bezahlt, alle weiteren vom Brautführer.

"Federhüte"
Eine Hochzeitfeier ist auch ein gute Gelegenheit, um neue Liebschaften bzw. Bekanntschaften zu machen. Um Missverständnisse zu vermeiden gibt es klare Zeichen, an denen man erkennen kann, welche Männer oder Frauen schon verheiratet sind und welche nicht. Die Hochzeitsgäste bekommen alle ein Blume zum Anstecken. Die Verheirateten stecken sie rechts an und die Ledigen links. Außerdem tragen unverheiratete Männer einen mit bunten langen Federn beschmückten Hut, damit man sie nicht übersieht.

La „Barbücia” y la „ćiora müla"
Die „Barbücia” ist ein Stück grün gefärbter Wolle, das zu einer Art Blume geformt wird. Diese bekommen die unverheirateten älteren Geschwister des Brautpaares.
Die „ćiora müla“ ist eine Ziege, die der unverheiratete ältere Bruder der Braut von maskierten jungen Männern ersteigern muss. Auch die „Barbücia” muss von Gauklern erkauft werden. Man schämte sich, die „Barbücia“ oder die „ćiora müla“ zu bekommen, denn so war man vor allen Leuten als „müt vedl“ („alter Junge“) oder „müta vedla“ („altes Mädchen“) ausgezeichnet.

„Tò la nöcia“ oder „rubè la nöcia” – Brautstehlen
Es ist Brauch, dass Freunde des Brautpaares die Braut während des Hochzeitsfestes entführen. Sie bringen sie zur nächsten Gaststätte, in der getrunken, gesungen und getanzt wird. Bald folgen die jungen Leute der Hochzeitsgesellschaft um mitzufeiern. Der Bräutigam bleibt mit den übrigen Hochzeitsgästen zurück und wartet, dass der Brautführer die Braut zurück erwirbt. Er muss die Entführer finden, sie in „Ketten legen“ und die Braut freikaufen, in dem er die Getränke bezahlt, und sie wieder dem Bräutigam zurückbringen. Dann feiert man weiter.


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