Blick auf den Schädel des Ursus Speleus
Hoch oben in Alta Badia

Gönn dir eine erholsame Pause
an sportlich aktiven Tagen:

Berg- und Schutzhütten in Alta Badia

Die Altersstellung der Conturinesfauna

"Vor wie viel Jahren haben diese Bären in der Conturineshöhle gelebt?" Diese Frage beschäftigt nicht nur den Fachmann, sondern auch den Höhlenbesucher. Und gerade diese Frage können wir jetzt noch nicht beantworten, weil noch keine direkten Altersangaben von den fossilen Knochen vorliegen. Die für die zeitliche Einstufung in diesen Zeitraum so wichtig gewordene Uran-Serien-Methode ist nicht nur sehr kostspielig, sondern auch sehr zeitraubend. Weil außerdem ein einzelner Wert wegen der vielen Möglichkeiten von Störungen des Urangehaltes noch zu wenig Aussagekraft besitzt und daher eine ganze Probenserie gemessen werden muss, ist vor Jahresfrist nicht damit zu rechnen, dass das Problem der Altersstellung gelöst ist.
Wir können uns aber schon heute von zwei Seiten an das vermutliche Alter herantasten.
1. Der zeitliche Rahmen ist durch je ein Uran-Serien- und Kohlenstoff-Alter abgesteckt.

Das mächtige Sinterpaket, dem die Höhlenbärenreste aufliegen, wurde nach einer ersten Uran-Thorium-Analyse mit 226.000 Jahren vor heute angegeben. Die Datierung der Sinterprobe nach der Uran-Serien-Methode wurde durch Dr. Ilse Steffan und Dr. Eva Wild an der Universität Wien (Institut für Analytische Chemie bzw. für Radiumforschung und Kernphysik) durchgeführt.
Der Sinter wurde also im Mittelpleistozän abgelagert und ist, weil nur eine Warmzeit für die Bildung so mächtiger Tropfsteine in Frage kommt, wahrscheinlich dem vorletzten großen Interglazial zwischen 245.000 und 190.000 Jahren zuzuordnen.
Nach oben ist die Höhlenbärenzeit durch den Versuch einer 14C-Datierung beschränkt. Die ausgewählte Knochenprobe eines Höhlenbären enthält schon so wenig Kohlenstoff 14, dass eine Berechnung des Alters nicht mehr möglich ist. Eine Aussage ist aber insofern möglich, dass ein Mindestalter angegeben werden kann: "älter als 39.000 Jahre vor heute".
Die Höhlenbären haben die Conturineshöhle in einer warmen Klimaphase zwischen der vorletzten großen Vereisung (Riß) und der mittleren Würm-Zeit bewohnt. Nach dem Verlauf des Klimakurven (s. Abb. 12) kommen dafür vier Phasen in Frage:
A. Zwischen 130.000 und 120.000 Jahren, "Riß-Würm-Zeit" oder "Eem" genannt: Die Sommertemperaturen erreichten in diesem Zeitraum extrem hohe Werte, die Winter waren äußerst kalt.
Dieser außerordentliche Klimaverlauf führte zur raschen Abschmelzung der Riß-Gletscher.
B. Zwischen 110.000 und 100.000 Jahren, die erste Wärmeschwankung im Frühwürm. Das Klima war im Vergleich zur Riß-Würm-Zeit etwas gemäßigter, im Vergleich zum Heute waren die Sommer viel wärmer, die Winter kälter.
C. Zwischen 90.000 und 80.000 Jahren, die zweite Wärmephase des Frühwürm. Das Klima verlief ähnlich wie bei B.
D. Zwischen 64.000 und 50.000 Jahren: erster Teil des Mittelwürm-Wärmezeit, deren Existenz im Hochgebirge durch die Grabungen in der Ramesch-Knochenhöhle im Toten Gebirge nachgewiesen wurde. Die zweite Phase der von uns provokant "Ramesch-Interglazial" genannten Warmzeit kommt wegen des 14C-Datums nicht mehr in Frage.
Auch in dieser Phase, also mitten in der Würm-Kaltzeit, waren die Sommer wesentlich wärmer, die Winter kühler und die Vegetationsperiode wegen der kurzlebigen Schneedecke besonders im Hochgebirge viel länger als heute.
Soweit zum derzeitigen Stand der physikalischen Zeitmessung. Im folgenden soll nun gezeigt werden, wie mit paläontologischen Methoden eine zeitliche Einstufung erfolgen könnte.

Die Höhlenbären der Conturines

Vergleich der Backenzahnlängen (Mittelwerte) von verschiedenen Höhlenbären in Prozenten zu einem willkürlich angenommenen Gesamtmittelwert (nach Rode, 1935), der mit 100 Prozent angesetzt wird.

Drei Gruppen von Höhlenbärenassoziationen wurden verglichen.

* 1. Würmzeitliche Höhlenbären des Tieflandes und der Mittelgebirge: grün. GL = Zoolithenhöhle-Guloloch, Fränkische Alb;
K2 = Kugelsteinhöhle 2, Steiermark; LL = Lieglloch, Steiermark;
M = Drachenhöhle von Mixnitz, Steiermark; MS = Merkensteinhöhle, Niederösterreich; Ph = Pod hradem, Mähren; SL = Schusterlucke, Niederösterreich; VP = Velika pecina, Kroatien.

* 2. Mittelpleistozäne Deningerbären und Übergangsformen zwischen Ursus deningeri und Ursus spelaeus: blau. Mosbach (Mb) bei Mainz, die Höhlenbärenreste stammen aus Sanden, die vor etwa 550.000 Jahren abgelagert wurden. Hundsheim (HH), Spaltenfüllung 50 km östlich von Wien, ca. 600.000 Jahre alt. Repolusthöhle (Rep) im Grazer Bergland. Hunas in der Fränkischen Alb, Höhlenfüllung in einem Steinbruch, ca. 250.000 Jahre alt. Westbury (Wb) in England, Höhlenfüllung.

* 3. Hochalpine Höhlenbären: rot. Conturineshöhle (ca. 2800 m), Dolomiten, Fanesgruppe; Drachenloch (2475 m, DL) bei Vättis, Kanton St. Gallen, Schweiz; Wildkirchli (1700 m, WK) in der Ebenfluh, Kanton Appenzell, Schweiz; Brieglersberg (1960 m, BB) bei Tauplitz, Totes Gebirge, Steiermark; Ramesch-Knochenhöhle (1960 m, RK) bei Spital am Pyhrn, Totes Gebirge, Oberösterreich; Hartlesgrabenhöhle (1230 m) bei Hieflau, Gesäuse-Berge, Steiermark.

Dieses Diagramm zeigt, dass die hochalpinen Höhlenbären deutlich kleinere Mittelwerte aufweisen als die würmzeitlichen Höhlenbären der Mittelgebirge (z.B. Zoolithenhöhle-Guloloch in der Fränkischen Alb, Mixnitzer Drachenhöhle in der Steiermark, Pod hradem im Mährischen Karst) und zwischen den großen typischen Höhlenbären des Jungspleistozäns und den kleinen mittelpleistozänen Deningerbären vermitteln. Die Bären der Conturineshöhle könnte man nach ihren Dimensionen für kleinwüchsige Deningerbären halten. Das hohe Evolutionsniveau der Prämolaren verbietet jedoch diese Interpretation. Damit wird die Sonderstellung der Conturinerbären deutlich.