Blick auf den Schädel des Ursus Speleus
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Bärenjagd und Jagdzauber

Viele Forscher glauben, dass auch der Mensch an der Ausrottung des Höhlenbären zumindest beteiligt war oder sie sogar allein verursacht hat. Es liegen genügend Beweise vor, dass der Mensch der Altsteinzeit (Paläolithikum) auf den Höhlenbären Jagd machte. In zahlreichen Höhlen wurden in den knochenführenden Schichten auch Feuersteingeräte gefunden, die einst der Neandertaler und der zeitlich ihm folgende moderne Mensch gefertigt und wahrscheinlich zum Zerwirken der Beute oder zum Entfleischen der Felle verwendet hatte. Wann man die primitive Bewaffnung des Paläolithikers bedenkt, erscheint es durchaus plausibel, dass er versucht hat, den im Winterschlaf dahindösenden Bären zu überraschen und mit Lanzen, Knüppeln und Steinen tödlich zu treffen, bevor dieser seine Reaktionsschnelligkeit erlangt hat. Die Vermutung, dass die Höhlenbären so eine relativ leichte Beute des Steinzeitjägers waren, wird durch mehrere Funde von datierbaren und eindeutigen Steinwerkzeugen in hochalpinen Höhlen bestärkt. Die Jäger von mehr als 30.000 Jahren scheuten die Mühe nicht, über die wahrscheinlich verschneiten Steilhänge zu den Höhlen in fast 2000 Meter anzusteigen, um den Bären nachzustellen.

Angesichts der Seltenheit von solchen Werkzeugfunden - in vielen Bärenhöhlen konnten keine gefunden werden - und der geringen Zahl der Jäger wird die Idee, dass der Mensch die Ausrottung der Höhlenbären (wie 15.000 Jahre später fast die des Steinbocks und des Murmeltieres) verursachte, unwahrscheinlich. Eine Bejagung aus der Not des Hungers heraus kann eine gut angepasste Wildform nicht so leicht auslöschen wie der Tötungswille eines abergläubischen Zaubermittel- oder Trophäenjägers. Eine durch Umweltveränderungen im Lebensraum eingeschränkte Art, wie das der Höhlenbär am Ausgang der letzten Eiszeit war, könnte sehr wohl durch die Bejagung in ihrer Existenz bedrängt werden.

Wie schon im ersten Kapitel angedeutet, gibt es auch Vermutungen, dass der altsteinzeitliche Bärenjäger einem Jagdzauber huldigte, wie ihn bis vor kurzem noch die Häger der hohen Nordens (z.B. die Eskimo) ausübten. Die Schädel der erlegten Tiere wären nach bestimmten Riten regelrecht "bestattet" worden: mit der Gesichtsseite zum Höhleneingang gewandt, mit Holzkohle bedeckt und durch Steinplatten umhüllt.
Derartige "Bärenbegräbnisse", z.B. aus dem Drachenloch bei Vättis (Schweiz) und der Petershöhle bei Velden (Franken) beschrieben, werden von manchen Forschern als Phantasien des Ausgräber abgetan. Leider konnten auch die Grabungen in der Conturineshöhle zu dieser Streitfrage weder im Positiven noch im Negativen etwas beitragen.