Blick auf den Schädel des Ursus Speleus
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Das Drachenloch bei Vättis

Die Höhlenbären der Conturines

Das Drachenloch bei Vättis im Kanton St. Gallen, Schweiz.
Bis zum Herbst 1987 galt es als Höhlenbären-Fundstelle.

Vor der Entdeckung der Conturineshöhle galt das Drachenloch als die höchstgelegene Fundstelle des Höhlenbären, des Höhlenlöwen und des paläontologischen Menschen. Das riesige Portal ist vom Tal aus zu sehen, was wohl zum sagenhaften Namen dieser Höhle geführt hat; denn es ist anzunehmen, dass sich wagemutige Jäger oder Wildschützen schon vor langer Zeit bis zur Höhle hinaufgetraut haben, wo sie die fossilen Knochen für Reste von Drachen hielten und nachher durch ihre phantasievollen Erzählungen die Sage vom Drachen ins Leben riefen.

Auch heute muss jeder Höhlenbesucher die steilen 1500 Höhenmeter vom Taminatal hinaufsteigen, um schließlich über ein schmales Felsband den Höhleneingang zu erreichen. Die Höhle erweist sich dann als enttäuschend kurz: Ein Gang von gut 70 Metern erstreckt sich gerade in den Berg. Herabreichende Felskulissen teilen den Höhlenraum in mehrere Kammern.

Die Höhlenbären der Conturines

Grund- und Aufriss des Drachenlochs bei Vättis (n. E. Bächler 1933).

Im mittleren Höhlenbereich ("Höhle II und III") wurden prachtvoll erhaltene Höhlenbärenreste, darunter mehrere Schädel ausgegraben, die auf eigenartige Weise zwischen den Platten des hier anstehenden Seewerkalkes eingeklemmt erschienen.

Der auf der Zeichnung von Toni Nigg zusammengefasste Befund, vom Ausgräber Theophil Nigg im Grabungsprotokoll festgehalten, wurde von Emil Bächler als eine vom Eiszeitmenschen vorgenommene kultische "Schädeldeposition" gedeutet.

Die Höhlenbären der Conturines

Fundsituation von Höhlenbärenschädeln und -knochen im Drachenloch bei Vättis.

Derartige Schädelsetzungen seien ein Teil eines "Jagdzaubers" gewesen, wie er von bärenjagenden Naturvölkern des Nordens (Eskimo, Samojeden, Aino) beschrieben wurde.
Die Gegner dieser z.T. phantasievoll ausgeschmückten Theorie wollen diesen Befund nicht anerkennen oder anders deuten: Die Lage der Schädel sei durch das Wunschdenken des Ausgräbers so gezeichnet worden, und sie sei durch natürliche Übereinanderschichtung der Steinplatten entstanden.

Die Kritiker lassen auch die Knochen-"Werkzeuge" nicht gelten und führen die Anhäufung von fossiler Holzkohle auf natürlich entfachte Brände zurück, wie sie bei Trockenzeiten auch im Gebirge entstehen können. Tatsächlich sind typologisch erfassbare und damit eindeutige Steingeräte aus Hornstein oder einem anderen Fremdmaterial hier nicht zum Vorschein gekommen.
Gleichgültig wie man zu diesem wissenschaftlichen Streit und auf welcher Seite man steht - jeder Eiszeitforscher, der diese Höhle mit eigenen Augen sah, nachdem er sich den mühsamen Weg erkämpft und die Bücher von Bächler und Nigg gelesen hat, wird sich der Problematik dieser Höhle nicht entziehen können. Einen Besuch in dem von Toni Nigg im ehemaligen Schulhaus eingerichteten Höhlenmuseum sollte sich kein Drachenloch-Besucher entgehen lassen.