Blick auf den Schädel des Ursus Speleus
Hoch oben in Alta Badia

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Berg- und Schutzhütten in Alta Badia

Fossile Pollenkörner

Die Höhlenbären der Conturines

Knochen eines neugeborenen Höhlenbären aus der Kaskadenhalle.

Für die geschlechtliche Fortpflanzung der Blütenpflanzen muss der (männliche) Blütenstaub von einer Pflanze zum (weiblichen) Fruchtknoten einer anderen Pflanze der gleichen Art gelangen. Dieser Transport kann im Wesentlichen auf zwei Wegen erfolgen: Erstens durch den Wind; die winzigen Pollenkörner, aus denen der Blütenstaub besteht, werden durch die Luftströmungen verfrachtet - oft über weite Strecken; auch ein Transport aus den Tallagen in die Berge ist möglich. Wie wir aus den heutigen Verhältnissen wissen, sind diesen Windverfrachtungen räumliche Grenzen gesetzt, so dass man aus dem angewehten Pollen auf die artliche Zusammensetzung z.B. eines nahen Waldes schließen kann: Windverfrachteter Pollen stammt zum größten Teil von Nadel- und Laubbäumen und ist - bei guter Erhaltung - auch im fossilen Zustand bestimmbar. Eine gute Fossilerhaltung von Pollenkörnern ist in dichten Tonen und sauren Lehmen gegeben, während in lockeren, gut durchlüfteten Böden die Pollen rasch oxydiert und aufgelöst werden.

In den Höhlenlehmen von Bärenfundstellen sorgt die von den Bärenexkrementen und -kadavern freiwerdende Phosphorsäure für die Erhaltung der Pollenkörner.
Aus der Häufigkeitsverteilung der einzelnen windblütigen Pollenformen kann auf die artliche Zusammensetzung einstiger Wälder geschlossen werden, die zur Zeit der Höhlenbären in näherer oder weiterer Umgebung gewachsen waren. Treten die Baumpollen zurück und dominieren die ebenfalls windblütigen Gräserpollen, wird auf eine kühle oder kalte Phase mit Steppen- oder Tundrencharakter geschlossen.
Die zweite Möglichkeit der Pollenverfrachtung wird durch Insekten (Bienen, Schmetterlinge, Ameisen) besorgt. Die Pollenkörner der meisten Kräuter sind klebrig, damit sie von den nektarschlürfenden Insekten mitgenommen werden. Sie können daher nur durch die Bären selbst in die Höhle gelangt sein. Versuche an Tiergartenbärem haben gezeigt, dass die Pollenkörner unbeschädigt den Darmtrakt passieren können, so dass sie von den Exkrementen in den Höhlenboden gelangen und fossil werden können. Wenn die Pollenkörner bestimmt werden, wissen wir auch über die bevorzugten Futterpflanzen der Höhlenbären Bescheid: Es sind vor allem die Elemente der sog. Hochstaudenflur, die in naturbelassener Umgebung an und über der Waldgrenze wachsen.
Aus dem Verhältnis der Häufigkeiten der Baumpollen zu den Nichtbaumpollen sowie aus dem Vorkommen bestimmter wärmeliebender Laubbaumarten (wie Eiche, Hainbuche, linde), aber auch der insektenblütigen Kräuterflora kann auf das einstige Klima geschlossen werden.
Gut untersucht sind die pollenführenden Lehme einiger hochalpiner Bärenhöhlen in Österreich und in der Schweiz. Das Pollenbild der Ramesch-Knochenhöhle zeigt z.B. an, dass das Klima in der Zeit zwischen 64.000 und 31.000Jahren vor jetzt deutlich wärmer war als heute. Dies steht in krassem Widerspruch zu den herkömmlichen Ansichten über den Klimaverlauf der letzten, der sog. Würm-Kaltzeit, die man durch ein oder mehrere Interstadiale zu gliedern versucht hat; in diesen Interstadialen sei zwar eine gewisse Erwärmung spürbar geworden, die Temperaturen seien jedoch im Durchschnitt weit unter den heutigen geblieben.