Blick auf den Schädel des Ursus Speleus
Hoch oben in Alta Badia

Gönn dir eine erholsame Pause
an sportlich aktiven Tagen:

Berg- und Schutzhütten in Alta Badia

Murmeltier und Fanessagen

Die Höhlenbären der Conturines

Oberarmknochen eines heutigen (links) und eines fossilen Murmeltieres aus der Conturineshöhle.

Wo der Mensch das Gebirge von alters her bewohnt und ihm seine Lebensgrundlage abgetrotzt hat, werden Sagen erzählt; sie handeln von guten und bösen Berggeistern, von Riesen und Zwergen, von Höhlen mit Schätzen, die von Ungeheuern bewacht werden, usw. Die bizarre Dolomitenlandschaft ist eng mit vielen Sagen und Sagengestalten verbunden, am besten bekannt ist wohl die Sage von König Laurin und seinem Rosengarten.

Weit über die Bedeutung einzelner Alpensagen geht eine ganze Reihe von zusammenhängenden Sagen hinaus, die als "Fanessagen" zusammengefasst wurden. Auch in den Fanessagen ist von geheimnisvollen Zauberern und alten weisen Frauen, von Schätzen und zauberkräftigen Tieren die Rede. Der Kern dieser Sagenwelt ist aber der Aufstieg und Fall eines ganzen Volkes, das einst das Gebiet der Fanesalmen bewohnt und ihre Königsburg am Fuß der Conturines erbaut hatte. Hat die Höhle bei der Entstehung dieser Sagen eine Rolle gespielt?

Die Höhlenbären der Conturines

Ein weiter Zusammenhang zwischen Fanessage und Conturines ergibt sich durch die Geschichte mit den Murmeltieren: Schon bei der Gründung des Fanesreiches sei ein Bündnis zwischen dem ersten Faneskönig und den Murmeltieren geschlossen worden, dem im weiteren Verlauf der Fanesgeschichte eine wichtige Rolle zukam. Murmeltiere gibt es auch heute in großer Zahl, vor allem im Gebiet der Kleinen Fanes, und die wie in einem Amphitheater ansteigenden Bänke des weißen Liaskalkes wurden sehr poetisch als "Parlament der Murmeltiere" bezeichnet. Die heutigen Murmeltiere stammen alle, wie mir ein Jäger berichtete, von vor einigen Jahrzehnten hier eingebürgerten Tieren ab; die Murmeltiere waren - wie in den meisten Gebieten der Alpen - vor langer Zeit durch die Überbejagung ausgerottet worden. Die fossilen Überreste von Murmeltieren (lat. Marmota marmota) aus der Conturineshöhle bringen nun nicht nur den Beweis, dass diese Nagetiere einst im Gebiet der Conturines und wohl auch der Fanes gelebt haben; sie steuern auch ein gewichtiges Argument zur Frage des einstigen Klima bei. Murmeltiere sind Gebirgsbewohner, die hauptsächlich oberhalb der Waldgrenze ihre Bauten in den weichen Untergrund (Moränen, Hanglehme, Sande, usw.) graben. Murmeltiere sind Pflanzenfresser wie der Höhlenbär, ja sie ernähren sich vorwiegend von den gleichen Futterpflanzen. Natürlich leben sie daher nie in der vegetationsfreie Zone des Hochgebirges. Das Klima muss zur Murmeltierzeit in der Conturineshöhle viel wärmer gewesen sein als heute. Freilich bleibt die Frage offen, ob die Höhlenbären und die Murmeltiere etwa zur gleichen Zeit in der Höhle gelebt hätten. Ungewöhnlich wäre dieses Zusammenvorkommen aber nicht; wir kennen beide Arten aus zahlreichen Bärenhöhlen des Berg- und des Tieflandes.