Blick auf den Schädel des Ursus Speleus
Hoch oben in Alta Badia

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Berg- und Schutzhütten in Alta Badia

Der 23.September 1987

Die Höhlenbären der Conturines

Höhlenbärenknochen im Tropfwasser;
Originallage im Salf di Ces.

Schon der Vortag war für Willy Costamoling ein besonderer Tag gewesen: Sein erster Sohn Luca war zur Welt gekommen! Wie kann man solch einen Festtag schöner begehen, als bei herrlichem Wetter in die einsamen Dolomitenkare hinaufzusteigen?

Willy Costamoling war erst um 14 Uhr vor Armentarola aufgebrochen, wo er bei Freunden die Ankunft seines "Stammhalters" mit einem guten Tropfen feierte. Schon eine halbe Stunde später stand er an der Schwelle des höchsten Kares und erblickte wieder das mächtige Höhlentor. Im langen Schatten, den die Conturineswand am Nachmittag über die Schuttströme wirft, sah es noch düsterer und geheimnisvoller aus.

Nach langer Rast am Höhleneingang betrat er die geräumige Eingangshalle und stieg, beeindruckt von der Weite des Raumes, den steilen Gang empor. Der Schein der elektrischen Stirnlampe erhellte nur kleine Abschnitte. Die auf den glitschigen Platten liegenden Blöcke mahnten zur Vorsicht. Nach Überwindung des großen Deckensturzes erfasste der herumirrende Lichtkegel die erste große Tropfsteinfigur. Noch staunend und bewundernd stieg er die wenigen Meter über den glatten Sinterhang hinauf tu jener Verebnung, die wir heute auf ladinisch "Salf di Ces" / "Schädelhalle" nennen. Zum ersten Mal sah ein Mensch den geheimen Schatz der Conturines! Nicht Gold und Edelstein, wie es die Fanessage verheißt, sondern einen fossilen Schatz. Der Boden war bedeckt von kreuz und quer liegenden Knochen und Zähnen, die im Schmalen Lichtstrahl aufleuchteten, dazwischen Steine, Sinter und Sand. Es war wie der erste Blick in die eben geöffnete Grabkammer eines vorzeitlichen Herrschers. Dabei konnte Willy Costamoling die große Bedeutung seines Fundes nur zur Hälfte erahnen, da er zunächst annahm, es handle sich um Reste von Braunbären, die vielleicht vor einigen tausend Jahren hier in der Höhle verendet wären. Sein Freund Rico Rottonara, dem er einige Einzelzähne mitbrachte, erkannte bald, dass es sich hier um Reste des ausgestorbenen Höhlenbären handelte, wie sie aus vielen Höhlen Europas bekannt geworden sind.