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Giuseppe Richebuono
DIE LADINER VON 1946 BIS 1996:
DAS STREBEN NACH EINHEIT
Vorgeschichte: Die unheilvolle Dreiteilung
Die Begeisterung des Jahres 1946
Die Enttäuschung der Jahre 1947 und 1948
Vom ersten zum zweiten Autonomiestatut
Andere Versuche der "getrennten Brüder"
Die weitere Entwicklung
Schlußfolgerungen
Die Enttäuschung der Jahre 1947 und 1948
Die neue italienische Regierung entpuppte sich aber leider als nicht weniger despotisch als die faschistische und enttäuschte die gerechten Erwartungen der Ladiner.
Die ladinische Fahne blau -weiß-grün, Symbol der Einheit der Ladiner
Auf das Telegramm von Jori antwortete Ministerpräsident Degasperi überhaupt nicht; für ihn waren die Ladiner einfach Italiener, wie er ausdrücklich am 21. Januar 1946 vor der "Consulta" in Rom behauptet hatte; die Zent Ladina bestand, seiner Meinung nach, aus "österreichisch Gesinnten". Diesbezüglich hatte er nicht ganz Unrecht: Manche Ampezzaner (mit Mons. Pompanin) wünschten tatsächlich die Rückkehr zu Österreich; Jori hatte sich hingegen von dieser Richtung distanziert.
Es scheint, daß für Degasperi der Ausschluß der Ladiner unter Belluno aus Südtirol eine unerläßliche Voraussetzung zur Gewährung der Autonomie darstellte, und daß er jede Verhandlung abzubrechen drohte, wenn österreich in diesem punkt nicht nachgeben würde.
Warum waren (und sind heute noch) die italienischen Politiker so verbissen gegen die Eingliederung der getrennten Ladiner in die Provinz Bozen? Die Antwort ließen die Minister Degasperi und Taviani und der Botschafter Carandini durchblicken und wurde klar vom "Komitee der nationalen Befreiung" von Cortina ausgesprochen: Die Südtiroler werden niemals das Bestreben, wieder unter Österreich zu kommen, aufgeben; Schritt für Schritt werden sie wahrscheinlich das auch erreichen. Deswegen ist es wichtig, daß Ampezzo (und Fassa) außerhalb Südtirols bleiben; so werden die Perlen der Dolomiten (fette Kühe des Tourismus) jedenfalls unter Italien bleiben.
Im Pariser Vertrag des 5. September 1946, einem für die Mindertheiten erarbeiteten Abkommen, wurden die Ladiner nich einmal erwähnt; das war für die dritte Volksgruppe wirklich eine Schmach und ein schweres Unrecht.
Obwohl verbittert und niedergeschlagen, ergaben sich die Ladiner nicht und versuchten alles, um vom Sonderstatut anerkannt und geschützt zu werden und die Vorteile der Autonomie auf die getrennten Täler auszudehnen. Es gab einen hektischen Wirbel, deren Einzelheiten ich auslasse; es genügt zu sagen, daß es fürs Statut mehr als ein Dutzend Entwürfe und Gegenentwürfe gab; einmal mehr, einmal weniger wurden auch die Ladiner darin berücksichtigt. Um jede weitere (demokratische) Diskussion zu unterbinden, ernannte Degasperi die "Siebener Kommission" ohne Vertreter der Südtiroler und der Trentiner. Sie verfaßte ein Statut, das in der Region allgemein eine negative Beurteilung hervorrief, aber trotzdem am 31. Januar 1948 von der verfassungsgebenden Versammlung gutgeheißen und der Region aufgezwungen wurde. Der Vorschlag des Abg. Carbonari, eine Volksbefragung zur Eingliederung der Ladiner unter Belluno in die autonome Region anzuberaumen, wurde dabei abgelehnt.
Inzwischen hatte sich die 10.000 Mitglieder (unter 30.000 Ladinern) starke Zent Ladina ein Jahr lang eingesetzt, um offizielle Anerkennung und Unterstützung zu bekommen. Aber die Hoffnung einer Rückkehr zu Österreich wurde zerschlagen (am 24. Juni hatten die Alliierten jede Änderung der Nordgrenze Italiens abgelehnt, weil Österreich kein NATO-Mitglied war) und die Vereinigung der Ladiner in der Provinz Bozen war aussichtslos geworden, wegen des hartnäckigen Widerstands des DC. Es entstanden auch Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ampezzanern und Jori; Grödner und Badioten machten nicht mehr mit, aus Angst ihre privilegierte Stellung zu verlieren. Die führenden Vertreter der Zent Ladina mußten eine regelrechte Verfolgung, Drohungen, Hausdurchsuchungen erdulden und erachteten schließlich eine Weiterführung des ungleichen Kampfes als zwecklos. Aus allen diesen Gründen wurde die vielversprechende politische Bewegung am 16. November 1947 leider aufgelöst.
Weil die Rückkehr nach Bozen unmöglich war, beschlossen der Ausschuß der Gemeinde Cortina am 19. Juli und am 28. November 1947, und die Gemeinderäte von Ampezzo, Livinallongo und Colle Santa Lucia am 13. Januar 1948 die Eingliederung in die autonome Provinz Trient, "damit sie ihre ladinische Eigenart bewahren können und die von den Faschisten aufgezwungene Unterstellung unter Belluno abgeschaffen wird."
Am ersten Januar 1948 war die neue italienische Verfassung in Kraft getreten, die im Artikel 3 die Gleichberechtigung aller Bürger und im Artikel 6 den sprachlichen Minderheiten einen Schutz garantierte. Anstatt die zwei Artikel in die Tat umzusetzen, gewährte aber Rom den Ladinern unter Belluno nicht einmal den Anschluß an Trient; es blieb unbeugsam und bestätigte somit die bedauerliche Dreiteilung.
Das erste Sonderstatut, Verfassungsgesetz des 26. Januar 1948, war für die Ladiner eine Demütigung; sie waren einzig im Paragraph 87 erwähnt, der den ladinischen Unterricht in der Volksschule vorsah; in Trient wurde nicht einmal diese Bestimmung eingehalten: Eine Katastrophe! Nach Auflösung der Zent Ladina begann dazu die schädliche Zersplitterung der Ladiner unter vielen Parteien, ein weiterer Nachteil für das nationale Bewußtsein und für die Einheit des kleinen Volkes.
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