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Giuseppe Richebuono
DIE LADINER VON 1946 BIS 1996:
DAS STREBEN NACH EINHEIT
Vorgeschichte: Die unheilvolle Dreiteilung
Die Begeisterung des Jahres 1946
Die Enttäuschung der Jahre 1947 und 1948
Vom ersten zum zweiten Autonomiestatut
Andere Versuche der "getrennten Brüder"
Die weitere Entwicklung
Schlußfolgerungen
Andere Versuche der "getrennten Brüder"
Gegen das Unrecht der schlechteren Behandlung in derselben Region lehnten sich die Fassaner entschieden auf. Alle Gemeinden verabschiedeten 1972 das "Los von Trient", den Beschluß, unter Bozen zu kommen, um die Vorteile des "Pakets" zu erlangen.
Von Hoffnung beseelt - zu Fuß von allen ladinischen Tälern.
Trotz dieser klaren, von der ganzen Bevölkerung getragenen Entscheidung, setzen sich nochmals im Regionalrat die Trentiner durch, weil die Haltung der SVP zweideutig war. Sie gab nach, um nicht mit der DC in Konflikt zu geraten, und um in Südtirol die übermächtige Vorherrschaft der deutschen Spachgruppe nicht, wenn auch geringfügig, zu schwächen. Guido Jori wagte, von einer "geheimen Odorizzi - von Guggenberg - Vereinbarung" zu sprechen, wodurch SVP und DC die Region unter sich geteilt hätten; er beschuldigte aber der Niederlage auch die Fassaner selbst, weil sie mehrheitlich DC wählten.
Daraufhin wurde am ersten Oktober 1973 in Fassa die Bewegung "Grup Pulitich Ladin" gegründet, die Anhänger auch in den anderen Tälern, besonders im Gadertal (Dr. Lois Craffonara) und in Buchenstein (Pietro Gabrielli) gewann. Aber "die zwei in der Region vorherrschenden Parteien fürchteten das Erwachen eines ladinischen Nationalbewußtseins, das eine fortschreitende Lossagung von ihnen und die Schmälerung ihres politischen Einflusses hätte bedeuten können ... und die DC des Veneto wollte ebenfalls nicht auf seine großen Interessen in Cortina und Buchenstein verzichten." Deswegen setzten SVP und DC ihre ganze Übermacht ein, um die neue ladinische Bewegung im Keime zu ersticken; im November 1973 konnte sie nur in Fassa mit eigener Liste antreten und bekam ungefähr ein Viertel der Stimmen.
Infolge dieser Wendung war nun di DC gezwungen, 1977 die Talgemeinschaft Fassa-Moéna zu gewähren; das war ein schöner Erfolg. Schon ein Provinzialgesetz des 29. Juli 1976 gestand: "Die ladinischen Gemeinden der Provinz Trient sind: Campitello, Canazei, Mazzin, Moéna, Pozza, Soraga, Vigo". Dieses Gesetz führt das grundlegende Prinzip der Territorialität ein und sollte für alle ladinischen Gemeinden Anwendung finden, um der Überfremdung und der Einverleibung durch die Mehrheitsgruppen vorzubeugen.
Die Gemeinde Buchenstein ersuchte 1973 noch einmal um die Rückkehr zu Bozen, und nochmals 1974 anläßlich des dort abgehaltenen AIDLCM-Kongresses. Diese internationale Vereinigung zum Schutz der bedrohten Sprachen und Kulturen hatte die tragische Lage der Buchensteiner und Colleser hervorgehoben. Die Union Generela nahm auch an den Kongressen der AIDLCM in Alghero (Sardinien), Brixen, Chatillon (Aòstatal), Sappada-Bladen, Rom teil und wandte sich auch an die FUEV (Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen); aber beide Vereine haben leider zu wenig politisches Gewicht, um von den zentralistischen Regierungen wirkungsvolle Schutzmaßnahmen zu erwingen; Italien ignoriert weiterhin die Ladiner, "eine unerhebliche Gruppe" von nicht einmal 50.000 Personen.
Die neuen ladinischen Kulturinstitute (in Vigo di Fassa für die Provinz Trient, 1975; in Sankt Martin in Thurn für die Provinz Bozen, 1976) haben in ihrer verdienstvollen Tätigkeit und in ihren wertvollen Zeitschriften immer alle fünf Täler berücksichtigt. In Vigo fand 1976 eine wichtige interdisziplinäre Tagung statt, die natürlich die Wiedervereinigung der Ladiner herbeiwünschte. Als ersten Schritt schlug Renzo Gubert "irgendeine Form der Verwaltungseinheit fürs ganze ladinische Gebiet ... einen interregionalen ladinischen Bezirk" vor; aber die Idee blieb wirkungslos.
Es folgte 1979 in Moéna ein "Meinungsaustausch" namhafter Experten über die Erfolgsaussichten verschiedener Anregungen zur Einigung der Ladiner. Das Beste wäre selbstverständlich die Schaffung einer autonomen Territorialeinheit; "obwohl sie zur Zeit als eine Utopie erscheint, bleibt sie ein Ideal, ein Ziel, ein grundlegendes Programm für die Pberlebenschancen des kleinen Volkes". In seinem sehr interessanten Referat klärte der bekannte Jurist Prof. Alessandro Pizzorusso über die großen Schwierigkeiten auf, die sich nach den geltenden Gesetzen einer Grenzänderung der Provinz Bozen entgegenstellen; er schlug deswegen zwei realistische Wege vor: Einen Gemeindenverband, oder eine interprovinzielle Sprachgemeinschaft. Sei es wegen des Widerstands der Politiker, sei es wegen des leider zugenommenen Mißtrauens und der Uneinigkeit unter den Ladinern selbst, blieben alle diese Ideen auf dem Papier.
Prof. Belardi stellt fest: "Ladinien war jahrhundertelang Objekt einer absichtlichen Expansionspolitik und jedenfalls einer Machtausübung ... Da stehen große politisch-wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel, ... da wir ein starker Druck ausgeübt haben, um die Einigung zu verhindern und die Aufteilung der Macht aufrechtzuerhalten". Andere fügen hinzu: "Die Notwendigkeit Lizenzen, Finanzierungen, Beiträge zu bekommen, verleiten viele, sich mit fremden geschäftlichen Kreisen, mit Machenschaften einer Klüngelwirtschaft zu verbinden, welche ansichtlich die Zersplitterung der Ladiner und ihre Entnationalisierung begünstigen".
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