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Giuseppe Richebuono
DIE LADINER VON 1946 BIS 1996:
DAS STREBEN NACH EINHEIT
Vorgeschichte: Die unheilvolle Dreiteilung
Die Begeisterung des Jahres 1946
Die Enttäuschung der Jahre 1947 und 1948
Vom ersten zum zweiten Autonomiestatut
Andere Versuche der "getrennten Brüder"
Die weitere Entwicklung
Schlußfolgerungen
Die weitere Entwicklung
Im Jahr 1975 kam das Buch "Le lingue tagliate" (Die beschnittenen Sprachen) heraus; Sergio Salvi definiert die Dreiteilung Ladiniens "eine sehr dunkle Seite der italienischen Demokratie ... Beweis der mangelhaften Loyalität des Staates seinen Bürgern gegenüber". Im nächsten Jahr erschien ein Buch mit dem deutlichen Titel: "I Ladini. Come é nato e come si estingue un popolo" (Wie enstand und wie erlischt ein Volk): Gianpaolo Sabbatini spricht sich für eine ladinische Provinz aus; die unbeeindruckten Politiker ignorierten wie immer diese beiden und andere ähnliche Publikationen.
In Bozen wurde 1978 die "Comunanza Ladina" gegründet, eine kulturelle Vereinigung, die den Ladinern der fünf Täler und dazu den Nonsbergern und Friaulern zugänglich ist, und sie in ihrer Identität zu festigen versucht. Die Bozner Erfahrung zeigt, daß alle Ladiner sich gegenseitig ohne weiteres verstehen, auch wenn jeder in seiner Talvariante spricht, daß die Einigung sehr begehrt ist. 1980 organisierte die "Comunanza" in Bozen einen interladinischen Kongreß, der u.a. wieder einmal die gleichen bürgerlichen und politischen Rechte für alle Ladiner (umsonst!) forderte.
1981 gelangte ein Domument der Generela (sie hat weitere Kongresse und kulturelle Tagungen veranstaltet) bis zum Europäischen Parlament und dem Präsidenten der Republik; es wurde auch in der Abgeordnetenkammer vorgelesen. Darin wurde auf die effektive Gefahr eines Untergangs der ladinischen Sprache und Kultur hingewiesen; trotzdem blieb alles unverändert.
1983 holten die Fassaner ihre politische Bewegung wieder hervor; die "Unione Autonomista Ladina" war natürlich auch den anderen Tälern offen. Ihr tatkräftiger Präsident Dr. Ezio Anesi, zuerst in den Trientner Landtag und 1992 in den Römischen Senat gewählt, hätte für die Ladiner viel tun können, wäre er nicht so früh einem Herzinfarkt erlegen (1993). Eines der Mißgeschicke der Ladiner war immer das Fehlen einer von allen Tälern und auf überprovinzieller und internationaler Ebene anerkannten und charismatischen Persönlichkeit, fähig die Zügel des kleinen Volkes geschickt zu ergreifen, um es sicher auf den richtigen Weg zu lenken. Ein interprovinzielles von Anesi angeregtes Komitee geriet bald ins Stocken und brachte deswegen nichts zustande. Auch einige in letzter Zeit vom Wengener Bürgermeister einberufene Zusammenkünfte der ladinischen Bürgermeister haben bisher keine konkreten Auswirkungen eingebracht.
1984 wurde in Cortina ein Kulturtag über die Wiedervereinigung veranstaltet; der eindringliche Aufruf des Prof. Richebuono verhallte ungehört; seine zahlreichen zweisprachigen Artikel (von 1982 bis 1992) in der Tageszeitung "Dolomiten" und seine Referate (auch in Anwesenheit von Dr. Magnago), worin er die tragische Lage der Ladiner unter Belluno schilderte, fanden kein Echo und keine Beachtung. Das "Ladinerjahr" 1985 sah zahlreiche kulturelle und folkloristische Veranstaltungen, brachte aber ebenfalls keine praktischen Ergebnisse. Die vielen Versprechungen blieben wie üblich auf dem Papier und wurden von den Politikern schnell vergessen; die Einigung registrierte keinen Fortschritt.
1988 begannen die Studien für die Schaffung einer Dachsprache, die nur schriftlich für öffentliche Dokumente (Gesetze, Akten, Mitteilungen, Inserate, Gebrauchsanweisungen, Etiketten, Werbung, usw.) zu gebrauchen wäre, um ihre Abfassung in sehr ähnlichen Talvarianten zu vermeiden (Auftrag der zwei Kulturinstitute an den Zürcher Prof. Heinrich Schmid, "Vater" des "Rumantsch Grischun" Graubündens). Die für ein Volk der gegenwärtigen Zeit unerläßliche Initiative, die zugleich den Ladinern ihre sprachliche und kulturelle Einheit stärker ins Bewußtsein ruft, fand Ablehnung sowohl bei den Politikern wie auch bei manchen Ladinern selbst, welche die Zielsetzung des Vorhabens völlig verkennen.
Besorgt wegen des fortschreitenden Verfalls ihrer Sprache und Identität, erwogen 1991 die Ampezzaner wiederum die Idee, eine Volksbefragung auszuschreiben, um den Anschluß an die autonome Provinz Bozen zu erwirken; dadurch stachen sie in ein Wespennest und riefen die Empörung der Region Veneto hervor. In Folge dieser Initiative hielt man sofort in Buchenstein eine Meinungsumfrage ab; die Einwohner sollten für oder gegen die Erweiterung des Referendums auf ihre Gemeinde stimmen. Bei der übereilten, von der Presse verzerrten, ohne ausreichende Information durchgeführten Ermittlung, gaben die verwirrten und vom Klerus eingeschüchterten Leute knapp mehrheitlich (54%) eine negative Antwort.
Daraufhin wurde Ende 1993 in privater Form eine andere sehr gegliederte Meinungsumfrage durchgeführt (14 Fragen). Die Auswertung zeigte, daß die Leute sowohl die Region Veneto wue auch den Staat negativ beurteilen und daß die Unzufriedenheit allgemein ist; man will unbedingt Maßnahmen zum Schutz der ladinischen Identität des Tales. Ungefähr 23% der Einwohner möchten eine ladinische Provinz; 15% den Anschluß an Südtirol; 17% eine autonome Provinz Belluno; 40%, daß die Region die Ladiner und ihre Ansprüche anerkennt. Vielleicht haben die Buchensteiner als zwecklos erachtet, wiederum an die Tür Bozens anzuklopfen, eine Tür, die ihnen leiden schon allzuoft ins Gesicht zugeknallt wurde; vielleicht haben sie inzwischen begriffen, daß sich ihre Lage kaum ändern würde; in beiden Provinzen sind die Ladiner keine Herren im eigenen Haus; sie bleiben sowieso eine schwache, diskriminierte, den Mehrheitsgruppen ausgelieferte Minderheit.
Bei den Südtirolern Wahlen wurde 1993 mutig die unabhängige Liste "Ladins" aufgestellt. Obwohl massiv von den anderen Parteien bekämpft, gelang es ihr einen Abgeordneten in den Landtag durchzubringen. Die Initiativen von Dr. Carlo Willeit werden aber von der Majorität oft boykottiert; es kommt vor, daß die Probleme der Ladiner nicht mit ihrem einzigen Vertreter im Landtag, sondern mit den ladinischen Bürgermeistern behandelt werden.
Bei der Vorstellung des Buches "Guido Jori de Rocia e la grande utopia della unitá ladina" schlug 1994 in Trient Prof. Calí als alternative Lösung vor, eine autonome, die drei Provinzen Bozen, Trient und Belluno umfassende "Dolomitenregion" zu schaffen.
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