Das oft massenhafte Vorkommen von Höhlenbärenresten in hochalpinen Höhlen hat schon vor siebzig
Jahren zu Diskussionen geführt, in denen ein Zusammenhang zwischen Höhlenbär und dem einstigen
Klima vermutet wurde: Ein pflanzenfressendes Raubtier wie der Höhlenbär könne nur in ausgeprägten
Warmzeiten das Hochgebirge bewohnt haben.
Innerhalb der Kaltzeiten, in denen die Alpengletscher bis weit in das Alpenvorland vorstießen, erschiene es
ganz undenkbar, daß die Höhlenbären auf den vergletscherten Hochplateaus der Nördlichen
Kalkalpen genug Nahrung gefunden hätten. Gerade in dieser Zeit, in den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts,
hatte sich die Eiszeitgliederung von Albert Penck durchgesetzt, die heute jeder Gymnasiast zu wissen hat: Zwischen
den vier Eiszeiten (Glazialen) Günz, Mindel, Riß und Würm (benannt nach bayrischen Flüssen) gab
es drei Warmzeiten, sog. Interglaziale, mit einem Klima, das mindestens so günstig war wie heute, z.T. auch
wärmer. Nur während dieser Warmzeiten wäre für den Höhlenbären ein Hochgebirgsleben,
d.h. ein Leben weit über der heutigen Waldgrenze, möglich gewesen. Später hat man diese Gliederung
des Eiszeitalters (Pleistozän) verfeinert und die Möglichkeit eingeräumt, daß es innerhalb der
vier großen Eiszeiten kleinere Wärmeschwankungen, sog. "Interstadiale", gegeben hätte,
deren Klima dem heutigen nahekommen konnte, es aber in bezug auf die mittlere Jahrestemperatur nicht erreichte oder
gar übertraf. Bis vor kurzem wurde für etliche Hochgebirgshöhlen die zeitliche Einstufung hin- und
hergeschoben. Riß-Interglazial oder Interstadial der Würm-Eiszeit? Heute sehen wir diese Frage z. T.
falsch gestellt, z. T. leicht beantwortbar, weil uns absolute Altersangaben und klimatologische Daten in großer
Zahl vorliegen. Das soll im folgenden kurz umrissen werden.
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Klimakurven der letzten 360.000 Jahre...
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