Ladini

index Vorwort Teil 1 Teil 2

Gregor Prugger Rinaldo Cigolla Claus Sorapera Dino Gaspari
Ladins Dles Dolomites "Inant Adum"

Giuseppe Richebuono

DIE LADINER VON 1946 BIS 1996:
DAS STREBEN NACH EINHEIT



Vorgeschichte: Die unheilvolle Dreiteilung
Die Begeisterung des Jahres 1946
Die Enttäuschung der Jahre 1947 und 1948
Vom ersten zum zweiten Autonomiestatut
Andere Versuche der "getrennten Brüder"
Die weitere Entwicklung
Schlußfolgerungen

Die Begeisterung des Jahres 1946

Nach dem Sturz der nazifaschistischen Diktatur waren auch die Ladiner zuversichtlich; sie hofften, das Schicksal der Südtiroler, die sofort geschlossen der SVP beigetreten waren, zu teilen und wieder unter Österreich zu kommen, oder daß die demokratische Regierung Italiens mindestens die unsinnige Dreiteilung aufheben, ihren Wünschen entsprechen und ihnen eine weitgehende Autonomie garantieren würde.
Schon 1945 war in Cortina die "Unione Popolare Ampezzana" und in Meran die "Union Culturela di Ladins" des Prof. Max Tosi entstanden. Am 12. Mai 1946 verteilte Guido Jori Rocia aus Penìa im ganzen Fassa Tal und in den anderen Tälern Tausende von zweisprachigen Flugblättern; darauf stand u.a.: "Unsere fünf herrlichen Gebirgstäler ... haben große Entwicklungsmöglichkeiten ... Bilden wir einen kleinen ladinischen Kundeskanton! Geeint können wir eine freie unabhängige Verwaltung fordern ... In der Einigkeit liegt die Stärke ... In voller Harmonie mit allen unseren Nachbarn wollen wir in Hinkunft uns selbst regieren ..." Jori gründete somit die "Lega Ladina Indipendente delle Dolomiti".
Aus dem Zusammenschluß dieser Liga mit dem Ampezzaner Verein ging am 15. Juni 1946 auf dem Grödnerjoch die politische Bewegung "Zent Ladina Dolomites" hervor, die mit der SVP eng verbunden war. Im Vorstand herrschten Ampezzaner und Fassaner vor; sie forderten von der Regierung u.a. die Wiedervereinigung der getrennten Täler mit der Provinz Bozen, die offizielle anerkennung als dritte ethnische Gruppe, Gleichstellung der ladinischen Sprache, ladinische Kindergärten und Schulen, autonome Verwaltung, eigene Wanderprätur, Vertreter im Landtag und im Parlament, Wiederherstellung der ladinischen Ortsnamen u.s.w. Im Aufruf des 18. Juni schlug Jori u.a. vor, ein von den Ladinern selbst verwaltetes und geleitetes Gebilde, also praktisch - wie er selbst später klarstellte - eine Art autonome ladinische Provinz zu schaffen.
Die Bewegung Zent Ladina Dolomites erfreute sich sofort einer großen Beliebheit; die Ladiner traten ihr mehrheitlich bei. Kaum einen Monat nach ihrer Gründung lieferten die Ladiner einen glänzenden Beweis des wiedererwachten Selbstbewußtseins. Auf Einladung der neuen Bewegung fand am 14. Juli 1946 eine Großkundgebung mit feierlicher Messe und mit Umzug, auf dem Sellajoch, statt. Über 3.000 Dolomitenladiner, die meisten in ihren bunten Trachten, mit Musikkapellen und Fahnen, hörten mit Begeisterung den Reden des Präsidenten Dr. Sixtus Ghedina aus Cortina und des Vizepräsidenten Guido Jori aus Penìa zu.
In der Pressemitteilung wurden gefordert:
1. Offizielle Anerkennung als dritte ethnische Gruppe.
2. Wiedervereinigung aller Ladiner in der Provinz Bozen.
3. Ein ladinischer Wahlkreis.
4. Eigene autonome Verwaltung.
5. Gleichstellung der ladinischen Sprache.
6. Ladinische Kindergärten, Schulen, Bücher, Zeitungen.
7. Erhaltung der Sitten, Gebräuche und Feste.
8. Ladinische Wanderprätur.
9. Ladinisches Fremdenverkehrsamt, eigene Handelsgenossenschaft.
10. Abhilfe gegen die Auswanderung.
11. Ladinische Radiosendungen.
12. Wiederherstellung der ladinischen Ortsnamen.

Die Teilnehmer an der Kundgebung kehrten voll Zuversicht nach Hause zurück. Am nächsten Tag schickte Jori dem Ministerpräsidenten Degasperi ein Telegramm, worin er die zwölf Forderungen "von über 3.000 auf dem Sellajoch kundgebenden Ladinern" wiederholte, "mit dem dringenden Ersuchen, ein Referendum zu erlauben, damit die getrennten Ladiner sich mit jenen der Provinz Bozen vereinigen können ... Unsere Bewegung ist nicht österreichisch gesinnt und hat keine separatistische Tendenz; sie bezweckt einzig die Wiedervereinigung aller Ladiner ... und den Schutz ihrer Sprache und Kultur, ihrer Interessen und Überlieferungen ..."
Der größeren Sicherheit halber schickte die Zent Ladina am 18. Juli auch der Friedenskonferenz von Paris ein Memorandum. Die Ampezzaner Parteiführer, von ihrem Landsmann Dr. Alois Pompanin, Generalvikar des Brixner Bischofs unterstützt, nahmen Kontakte mit Rom, Paris, Wien, Innsbruck, Bozen auf, und setzten sich voll ein, um Versicherungen und Versprechungen zu erlangen, die Aussicht auf Erfolg hoffen ließen.



ALTEA HOMEPAGE Copyright © Altea Software S.r.l. - Bolzano - ITALY