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Giuseppe Richebuono
DIE LADINER VON 1946 BIS 1996:
DAS STREBEN NACH EINHEIT
Vorgeschichte: Die unheilvolle Dreiteilung
Die Begeisterung des Jahres 1946
Die Enttäuschung der Jahre 1947 und 1948
Vom ersten zum zweiten Autonomiestatut
Andere Versuche der "getrennten Brüder"
Die weitere Entwicklung
Schlußfolgerungen
Vorgeschichte: Die unheilvolle Dreiteilung
Die Dolomitenladiner, das heißt die Einheimischen der fünf Täler Gröden, Abtei mit Enneberg, Fassa mit Moéna, Buchenstein mit Colle Santa Lucia, Ampezzo mit Cortina, die alle bis 1918 dem Kaiserreich Österreich angehörten, betrachteten sich seit Jahrhunderten als ein kleines eigenständiges Volk. Als der Nationalismus überhandnahm, entstand 1905 in Innsbruck der Ladinerverein; als Ziel setzte er sich - wie man im Statut liest - die Vereinigung aller Ladiner Tirols in einem eigenen Verwaltungsbezirk, da sie eine besondere Sprachgruppe darstellten.
Im ladinischer Kalender finden wir 1912 die Behauptung: "Gherdeina, Fascians, Badioc, Fedomes y Anpezans tucon adum ... y gà chŽon una rujneda, messons neus Ladins tenì adum; po pudons nce pertender dŽunì cumpedèi psunder tel Tirol ... Tenion no cui taliani, no dai tudesc y deguni ne pudarà nes to la rejon de vester neus na nazion per sè" (Wir Grödner, Fassaner, Badioten, Buchensteiner und Ampezzaner gehören zusammen ... Da wir die gleiche Sprache haben, müssen wir zusammenhalten; dann können wir verlangen, in Tirol getrennt behandelt zu werden ... Wenn wir uns weder den Deutschen noch den Italienern anschließen, kann uns niemand das Recht nehmen, eine selbständige Nation zu bilden).
Aber im Friedensvertrag (1919, Abtretung Südtirol an Italien) wurden die Ladiner überhaupt nicht erwähnt! Zuerst blieben sie alle in der gleichen Region; aber bald schlug in Cortina eine Gruppe Italienischgesinnter vor, Ampezzo der Provinz Belluno anzugliedern. Daraufhin bekundete der Gemeinderat am 19. Oktober 1919 den Willen, bei der Provinz Bozen zu verbleiben (19 Räte dafür, nur einer dagegen); der gleiche Beschluß wurde am 17. November und in den Sitzungen des 12. Aprils und des 2. Juni bestätigt. Gleichartige Entscheidungen trafen alle ladinischen Gemeinden.
Am 5. Mai 1920 trafen sich Vertreter der fünf ladinischen Täler Tirols auf dem Grödnerjoch unter der ladinischen Fahne (mit blauem, weißem und grünem Streifen), um gegen die Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts zu protestieren und die Anerkennung als eigene ethnischen Gruppe zu fordern.
Anfangs schien es, als ob die Regierung diesen Forderungen entsprechn wollte; bei der Volkszählung am 1. Dezember 1921 durften sich die Einwohner als Ladiner erklären. Aber bald danach ergriffen die Faschisten die Macht (Marsch auf Rom: 28. Oktober 1922). Mit einer ihrer ersten Maßnahmen trennten sie die (ehemals tirolischen) Gemeinden Ampezzo, Livinallongo und Colle Santa Lucia von Südtirol ab, und unterstellten sie der Provinz Belluno mit dem offensichtlichen Ziel, sie leichter zu italienisieren. Alle Proteste der Bevölkerung blieben unbeachtet. Im Jahr 1927 wurde die Provinz Bozen geschaffen, aber das Fassatal bei Trient belassen; somit erzwang die faschistische Diktatur die Zerreißung des kleinen ladinischen Volkes in drei Stummeln. Tragisch ist die Tatsache, daß die verhängnisvolle Dreiteilung heute noch besteht, daß die italienischen Nachkriegsregierungen dieses offensichtliche Unrecht nie beseitigt haben.
Trotzdem ließen sich die Ladiner nicht italienisieren, sodaß 1939 nicht nur die Grödner und Badioten, sondern auch die Ampezzaner, Buchensteiner und Colleser als "fremdstämmig und anderssprachig" erklärt wurden und zusammen mit den Deutschen "optieren" mußten. Die Umsiedlung wäre für die Ladiner einem Völkermord gleichgekommen. Das Schreckgespenst des Deportation entfernte sich im September 1943, als die deutsche Wehrmacht Italien besetzte und, mit Genugtuung der Bevölkerung, die ladinischen Gemeinden unter Belluno mit jenen der Provinz Bozen wiedervereinigte.
Aber als die amerikanischen Truppen im Mai 1945 eintrafen, verlangten die "Komitees der nationale Befreiung" die Änderung der Deutschen aufzuheben und die Vorkriegslage wiederherzustellen; und die Alliierten gaben nach. Alle Bittschriften, Proteste, Memoranden, Unterschriftensammlungen, zahlreiche Volkskundgebungen der Ladiner unter Belluno und Trient, die den Anschluß an Bozen verlangten, blieben unbeachtet.
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