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Geschichte und Kultur
Ladinisches Kulturinstitut "Micurà de Rü"
Das Ladinische Kulturinstitut organisiert und fördert Initiativen, deren Zweck die Erhaltung und Förderung der ladinischen Sprache und Kultur im Allgemeinen ist. Weiters veröffentlicht es Bücher verschiedenster Art auf Ladinisch und Bücher in anderen Sprachen, deren Inhalt sich auf Ladinien, die ladinische Sprache und Kultur bezieht. Einen wichtigen Teil der Tätigkeit des Institutes macht die Unterstützung aus, die es jenen kulturellen Körperschaften, Vereinen oder Einrichtungen gewährt, die dieselben Zielsetzungen haben wie es selbst.
Ladinisches Kulturinstitut "Micurà de Rü"
Dorf, 13
39030 St. Martin in Thurn
Tel +39-0474-523110
Fax +39-0474-524228
url: www.micura.it
E-Mail: micura@ladinia.net
Geschichtliches
Die Dolomitenladiner besiedeln vier Täler rund um den Sellastock, der über die bekannte Route "Sellaronda" mit den Skiern umfahren werden kann. Eines der vier Täler ist das Gadertal, Perle der Dolomiten und Wiege der Geschichte, Kultur und Sprache Ladiniens.
Der Gesteins- und Mineralname "Dolomit", ein mit Mikroorganismen verkalktes Ablagerungsgestein, geht auf den französischen Geologen Deodate Guy Silvane Tancrede de Grandet von Dolomieu zurück, der am Ende des 18. Jahrhunderts als Erster die Dolomiten weltbekannt machte.
Die Bildung dieses Gesteins begann vor zweihundert Millionen Jahren in einem seichten, lagunären Meer, dem "Tethyschen Meer". Durch die Ablagerung organischer und mineralischer Substanzen bauten sich mächtige Stöcke auf, die zu Beginn des Tertiärs unaufhaltsam aus dem Meer emporgehoben wurden.
Vor ca. zwei Millionen Jahren wurde das ganze Gebiet vom Eis bedeckt. Durch die Aufeinanderfolge mehrerer Warm- und Eiszeiten, die die Morphologie des Gebietes verändert haben, erhielten die Dolomiten ihre heutige Form, die auf ca. zwölftausend Jahre zurückgeht.
Externe, vor allem klimatische Einflüsse, haben den Dolomiten ihre eigenartige Form verliehen.
In den Dolomiten sind Fossilien und Mineralien unterschiedlichster Arten und Formen leicht zu finden. Wegen seiner heterogenen Zusammensetzung kann der Dolomitgestein verschiedene Färbungen aufweisen. Besonders eindrucksvoll ist der Kontrast zwischen dem gelblichen, bleichen und dem rötlichen Glanz, der bei Sonnenuntergang stark erglüht. Dieses eigenartige Phänomen trägt den Namen "Enrosadira" und hat seit Jahrhunderten Legenden und Sagen inspiriert.
Als es im Gadertal noch keine festen Siedlungen gab, war das Gebiet nur von Wildtieren bewohnt, eine begehrte Beute für die Jäger der Mittelsteinzeit. 1987 wurden in einer Höhle der "Conturines" auf 2800 m Seehöhe die Skelette des "Ursus Spelaeus" entdeckt, einer Art von Bären, die während der letzten Eiszeit ausgestorben ist.
Das Gadertal ist bereits in der Bronzezeit, zwischen dem 16. und dem 13. Jh. v. Ch., besiedelt worden. Beweise dafür sind wichtige archäologische Funde der letzten Jahre bei "Sotciastél" in Pedratsches/St. Leonhard. Es waren vorindoeuropäische Völker (Kelten), die das ungünstige Klima und Ansiedlungshindernisse überwinden konnten und sesshaft wurden. Aus diesen Funden konnte man feststellen, dass es sich um Hirtenvölker handelte, die auch in der Keramik- und Webereikunst erfahren waren. Sie wurden später von den Römern mit dem Sammelbegriff "Räter" bezeichnet.
Den Rätern verdankt man die Einführung von vielen alltäglichen Arbeiten, die heute noch ausgeführt werden. Zu diesen Tätigkeiten gehören der Anbau von Hirse und Hafer sowie die Bearbeitung der Milchprodukte, Grundnahrungsmittel der ladinischen Gastronomie.
Erst unter römischer Herrschaft bekam das Gebiet eine politische und verwaltungsgemäße Ordnung und aus der Vermischung zwischen der rätischen und lateinischen Volkssprache entstand das ladinische Idiom. Dank der hohen Gebirgszüge, die das Gebiet vom großen Verkehr abgeschlossen haben, konnte die ladinische Sprache bis ins 20. Jh. überleben.
Während des Römischen Reiches war das Ladinische einheitlich von Graubünden bis zum Adriatischen Meer verbreitet, bis die Bajuwaren die germanische Kultur und Sprache einführten. Ladinien bildete von nun an keine Einheit mehr.
Ein wichtiges Datum für das Gadertal stellt das Jahr 1027 dar, als das Bischofsfürstentum von Brixen gegründet wurde. Der Brixner Bischof bekam die linke Talseite der Gader, während die rechte der Pustertaler Grafschaft zugewiesen wurde. In dieser Zeit wurde der Name "Badia" geprägt, der von "Ciastelbadia" (Sonnenburg) stammt, ein Benediktinerinnenkloster bei St. Lorenzen im Pustertal.
1803 wurde auch die linke Uferseite der Gader an Österreich angegliedert und das ganze Gadertal kam zu Tirol.
Bald danach wurde dann das Gadertal von den napoleonischen Truppen besetzt und für kurze Zeit an Bayern abgetreten.
Der Erste Weltkrieg hatte verheerende Auswirkungen auf die Bevölkerung des Gadertals und der benachbarten ladinischen Täler. Für vier Jahre waren die Dolomiten Schauplätze von Blutkämpfen, die Tausenden von Soldaten beider Fronten das Leben kostete. Es handelte sich um einen Stellungskrieg, wo man auch täglich gegen das ungünstige Klima, die äußerst schlechten Lebensbedingungen und die Heckenschützen kämpfen musste.
Auch heute erkennt man noch auf dem Col di Lana, auf den Tofane und auf der Marmolada die Zeichen und die Wunden jener heißen Blutkämpfe.
1919 wurde das Gadertal an das Trentino, also an Italien annektiert. Somit begann ein Italianisierungsprozess, der aber die ladinische Welt nicht berührte.
Bahnbrecher des modernen Tourismus im Gadertal war Franz Kostner, berühmter Bergführer, der gegen Ende des letzten Jahrhunderts mit seinem Bruder Ojop die wichtigsten Bergspitzen, u. a. auch den Himalaja bestieg. Er war sich bewusst, dass das Skifahren ein sehr beliebter und betriebener Sport werden konnte und setzte sich für die Verkehrschließung des Gadertals ein indem er die "Automobilgesellschaft" gründete. Zuvor erreichte man Alta Badia nur zu Fuß oder mit der Pferdekutsche.
1930 baute er eine Art Schlittenlift und 1934 gründete er die Skischule.
Heute zählt Alta Badia zu den berühmtesten Skigebieten der Welt; dazu ist es eine der Perlen des Dolomiti Superski, des größten Skigebietes der Welt.
Wohlstand und Berühmtheit haben aber nicht die antiken Traditionen und die ladinische Sprache, die auch in den benachbarten Tälern gesprochen wird, beeinträchtigt.
Nur in letzter Zeit wurde die ladinische Sprache als solche anerkannt; früher wurde sie fälschlicherweise als Dialekt angesehen. In der Autonomen Provinz Bozen wird die Bevölkerung des Gadertals und Grödens als dritte ethnische Gruppe anerkannt und dementsprechend für die Erhaltung der Kultur und der Sprache unterstützt. Die ladinische Sprache wird in der Pflicht- und Oberschule unterrichtet und in den öffentlichen Ämtern verwendet. Fernseher und Radio übertragen täglich ladinische Nachrichten und Sendungen. Die Zeitung "La Usc di Ladins" erscheint wöchentlich.
Trotz der großen Entwicklung und Bereicherung durch den Fremdenverkehr stellt dieses neue ladinische Bewusstsein den Beweis dar, dass in der Bevölkerung ein unersättlicher Wille herrscht, die ladinische Kultur, Sprache und Geschichte aufrechtzuerhalten.