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Die Architektur einer Höhlen

Die Höhlenbären der Conturines

Vier Scharen paralleler Klüfte bestimmen die Gestalt und den Verlauf der Höhle. Drei fast senkrechte Kluftscharen begrenzen die Seitenwände, während die nach Nordosten einfallenden Schichtflächen die Höhlendecke und die Höhlensohle formen.

Höhlen entstehen vorwiegend durch die korrosive Kraft des Wassers. Darunter versteht man die Fähigkeit von kohlesäurehaltigem Wasser, den Kalk oder der Dolomit zu lösen und abzutransportieren. Diese Lösungsvorgänge können vom einsickernden und tropfenden Wasser, aber auch von langsam fließenden oder stehenden Gewässern hervorgerufen werden.

Nun bilden sich Höhlen nicht regellos irgendwo im Gestein wie die Löcher im Käse. Das Muttergestein ist ja nicht homogen, sondern meist geschichtet und von tektonischen Klüften durchzogen. Diese Klüfte, auch Verwerfungen genannt, sind Reaktionen des schon spröden Gesteins auf die Kräfte der Gebirgsbildung; an ihnen können Gesteinspakete nur wenige Dezimeter oder über Hunderte von Metern gegeneinander verschoben werden. Entlang der Klüfte kann das Oberflächenwasser besonders leicht eindringen, an ihnen werden die ersten Hohlräume entstehen. Auch die weitere Vergrößerung der Höhle vollzieht sich nach dem Verlauf der Klüfte zwischen den Kalk- oder Dolomitbänken.

Die Höhlenbären der Conturines
Erste Sichtung der Fossilien aus der
Conturineshöhle im Institut für
Paläontologie der Universität Wien.

In der Conturineshöhle lässt sich die tektonische Anlage gut erkennen. Der Dolomit ist von drei Scharen paralleler, fast senkrechter Klüfte durchzogen, deren Richtung auch außerhalb der Höhle sichtbar ist. Zusammen mit den Fugen, die sich zwischen den Dolomitbänken auftun, haben wir vier Kluftsysteme, nach denen die Höhlenräume angelegt und im Grundriss und in den Querprofilen gut zu verfolgen sind.

A. Die Klüfte der ersten Ordnung (im Plan rot eingezeichnet) verlaufen in nordwest-südöstlicher Richtung. Die gelbschwarze Stirnwand des Eingangsportals und die Harnischfläche (= glatte Fläche, an der die Gesteinspakete entlanggeglitten sind) in der "Großen Halle" sind nach der Richtung A angelegt, aber auch zahlreiche Querklüfte im Gang entsprechen dieser Richtung.

B. Das zweitwichtigste Gestaltungselement ist die Kluftrichtung (im Querprofil orange) nach den Schichtfugen zwischen den z.T. mächtigen Dolomitenbänken. Diese Schichtfugen sind nach Nordosten geneigt, der Geologe spricht vom "Fallen" der Schichtungen und von der "Fallrichtung" und meint damit die Richtung, die ein rollender Stein auf der (glatt gedachten) Fläche einschlagen würde. Der Fallwinkel, hier etwa 30°, bezeichnet den Neigungswinkel der Schicht- oder Kluftfläche zur Horizontalen. Die Richtung des "Streichens" steht senkrecht auf die Fallrichtung und gibt den Kompasswinkel an, den die Schnittgerade von Kluftfläche und Horizontalebene einnimmt.

Die Schichtflächen des Dolomits "streichen" im Bereich der Höhle in nordwest-südöstlicher Richtung und "fallen" mit 30° nach Nordosten ein. Die landschaftsformende Kraft dieser Kluftrichtung ist außerhalb der Höhle überall an den schuttbedeckten Bändern zu erkennen; auch die Höhlenräume werden von ihr geformt. Die Neigung, mit der der Gang vom Eingang bis zur Schädelhalle ansteigt, entspricht dem Fallwinkel der Schichtflächen, und in vielen Höhlenräumen, z.B. im "Kastengang" und in der "Großen Halle", wird die Decke von der fast glatten Unterseite einer Dolomitbank gebildet.

C. Die Klüfte der dritten Ordnung (im Grundriss und Querprofil blau) streichen von Nordost nach Südwest und bestimmen vorwiegend den Verlauf der Höhlenganges. Die Seitenwände sind, sofern sie nicht durch Korrosion oder Sinterbedeckung umgeformt sind, von dieser Kluftrichtung bestimmt.

D. Die Klüfte der vierten Ordnung (Streichen von Nord nach Süd, im Grundriss grün). In der Wand oberhalb der Höhle sind viele Bruchflächen in dieser Richtung angelegt. Im Höhleninneren wird der Gangverlauf zum kleineren Teil von dieser Klüftung bestimmt.

Am Beispiel der Conturineshöhle kann besonders eindrucksvoll gezeigt werden, dass die Architektur einer Höhle, d.h. die Anlage und der Verlauf der Gänge und Hallen sowie die Neigung von Boden, Wand und Decke, durch die Macht der gebirgsbildenden Kräfte "geplant" wird, die innenarchitektonische Ausgestaltung aber wird vom Wasser und seiner Fähigkeit, Kalk zu lösen, übernommen.