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Sinter: Steinerne Kalender der Vorzeit?

Die Höhlenbären der Conturines

Sinterbohraktion durch Y. Quinif (links) und A. Bini. Salf di Ces.

Die mächtigen Sinterbildungen in der Conturineshöhle sind ebenso erstaunlich wie die fossilen Säugetiere. Sinter oder Tropfsteine sind chemische Ausfällungen aus dem Sicker- und Tropfwasser der Höhle.
Damit es zur Sinterbildung kommt, muss das durch Regen oder Schnee entstandene Oberflächenwasser Kohlendioxid (CO2) aufnehmen, in geringerem Maß aus der Luft (die enthält nur wenig CO2, normalerweise nur 0,03 Prozent), in wesentlich höherem Maß aus dem Boden. Nur in einem belebten Boden, der mit einer dichten Pflanzendecke geschützt ist, wird so viel CO2 angeboten - mehr als 30mal so viel wie in der Luft -, dass eine ausgiebige Lösung des Kalkes erfolgt, wenn das Wasser in das Gestein eindringt. Des chemische Prozess der Kalklösung lautet in der Formelsprache:

Die Höhlenbären der Conturines

Je mehr CO2 im eindringenden Wasser gelöst ist, desto mehr Kalkgestein kann gelöst werden (dies gilt allerdings nur bis zur Sättigungsgrenze) und desto mehr Sinter (Tropfstein) kann dann im Höhlenraum ausfallen, indem die chemische Reaktion (2) von rechts nach links verläuft.
Zur Zeit der großen Sinterbildungen muss daher auf den Gipfelhängen der Conturines eine reiche Vegetation bestanden haben, und das ist wieder nur in einer echten Warmzeit möglich.
Sinter und Höhlenbären gehören daher thematisch zusammen, denn beide sind Klimaindikatoren. Zeitlich dürften sie jedoch nicht zusammenpassen, da alle Knochen auf den mächtigen Bodensintern liegen, aber nie in den Tropfsteinen eingesinter sind.
Wir müssen also für den Sinter und für die Höhlenbären zwei verschiedene Warmzeiten suchen. Wie weit wir in dieser Suche gekommen sind, wird im nächsten Kapitel behandelt.
Der bis zu zwei Meter dicke Bodensinter ist außerdem ganz fein geschichtet, indem dunkle und helle Bänder von oft nur 1 mm Dicke und darunter abwechseln. Wir sahen dies schon beim ersten Höhlenbesuch bei der Tropfstelle, später auch an anderen Stellen. Entspricht die feine Schichtung einer jahreszeitlichen Schwankung wie bei den Jahresringen der Bäume oder gibt es eine andere Erklärung? Prof. Bini von der Universität Mailand und Prof. Quinif von der Universität Mons (Belgien) widmen sich dieser Frage. Sie zogen zu diesem Zweck fünf Bohrkerne aus dem fast zwei Meter dicken Sinterpaket im Bereich der Grabungsstelle.
Die Bohrkerne zeigen noch schöner die rhythmische Streifung. Liegt hier ein steinerner Kalender einer ganzen Warmzeit des mittleren Eiszeitalters vor?