Blick auf den Schädel des Ursus Speleus
Hoch oben in Alta Badia

Gönn dir eine erholsame Pause
an sportlich aktiven Tagen:

Berg- und Schutzhütten in Alta Badia

Der Unterkiefer-P4

Die Höhlenbären der Conturines

Oberkiefer-Vormahlzahnes
P4 beim Höhlenbären.
Typ A: dreihöckerig

Die Höhlenbären der Conturines

Oberkiefer-Vormahlzahnes P4 beim Höhlenbären.
Typ B: dreihöckerig mit Zwischenhöcker

Die Höhlenbären der Conturines
Oberkiefer-Vormahlzahnes
P4 beim Höhlenbären.
Typ D: mit quer verlaufender
Schneidekante
Die Höhlenbären der Conturines
Oberkiefer-Vormahlzahnes
P4 beim Höhlenbären.
Typ E: mit Schneidekante und
zusätzlichem Höcker

Der Verlauf dieser Evolution soll am Beispiel des Unterkiefer-Prämolaren gezeigt werden: Beim urtümlichen Etruskerbären, aber auch beim heutigen Braunbären, herrscht der einspitzige Typus vor, d.h., aus der schmalen Kaufläche ragt nur der kegelförmige Haupthöcker empor. Derartige Vormahlzähne kommen bei vielen Raubtieren vor und können als die ursprüngliche Form angesehen werden. Wir bezeichnen sie mit dem Buchstaben A. Schon beim Deningerbären gibt es zweihöckerige P4.

Auf der Innenseite (Zungenseite) entsteht ein kleiner Höcker, und zwar immer ganz vorne; er ist stets viel kleiner als der Haupthöcker und von ihm durch eine Furche getrennt. Dieser Gestalttyp (Morphotyp) wird mit B1 bezeichnet (die Ziffer 1 bedeutet, dass am hinteren Zahnabschnitt noch kein zusätzlicher Höcker gebildet ist).
Noch im Mittelpleistozän treten die ersten dreihöckerigen P4 auf, sogar in zwei Modifikationen.

Häufiger ist der Morphotyp, bei dem an der Innenseite ein zweiter zusätzlicher Höcker entsteht, so dass der vordere Zahnabschnitt drei Höcker, der hintere aber keinen Höcker enthält: Morphotyp C1.

Viel seltener ist die Form mit einem zweiten Außenhöcker hinter dem Haupthöcker, jedoch mit nur einem (vorderen) Innenhöcker: Morphotyp B2.
Erst im Verlauf des jüngsten Eiszeitalters, in der Würm-Kaltzeit, treten vier-, fünf- und vielhöckerige Typen auf, so dass sich eine immer stärkere Angleichung an den ersten Mahlzahn ergibt.

Im Schema Abb. 15 sind die einzelnen Schritte, die in der Natur durch Übergangsformen belegt sind, durch Pfeile angedeutet. Die Richtung der Evolution ist damit festgelegt.
Nach dem zeitlichen Hintereinander ihres Auftretens, aber auch nach funktioneller Überlegung sind die wenig höckerigen als urtümlich-primitiv, die vielhöckerigen als abgeleitet-progressiv zu werten.

Die Höhlenbären der Conturines

Die wichtigsten Typen des Oberkiefer-P4.
Durch zusätzliche Höcker und Schmelzgrate wird ein wirkungsvolle Schneidekante entwickelt, die in eine Kerbe im ersten Unterkiefer-Mahlzahn einrastet.

Die Evolution verläuft nun nicht so, dass ein primitiver Morphotyp plötzlich durch einen progressiveren abgelöst wird - rasche Evolutionssprünge fanden nicht statt. Die höher entwickelten Morphotypen werden allmählich häufiger, dominieren schließlich, bis auch sie wieder durch noch besser entwickelte Formen verdrängt werden. Die Evolution zeigt sich uns als eine Verschiebung von Häufigkeiten. Hier eröffnet sich die Möglichkeit, die Evolution zu "messen".
Wir ordnen den einzelnen Schritten aussagekräftige Zahlen, sog. "Indices", zu, wie das auf dem Schema, Abb. 16, verdeutlicht werden soll. Für das Entstehen eines Innenhöckers wird 0,5, eines zusätzlichen Außenhöckers 1 dazugezählt, so dass z.B. die Morphotypen C1 und B2 beide den Index 1 erhalten, der Morphotyp D2 aber 2,5.

In der jüngsten Würm-Kaltzeit treten auch P4 mit zusätzlichen Höckerreihen auf, die schließlich als querstehende Schneidekanten die Kauleistung verstärken. Dementsprechend hohe Indexwerte sind den Morphotypen E2, E3 oder F3 zugeordnet.
Zählen wir die Indices aller aus einer Fundschicht vorliegenden Unterkiefer-P4 zusammen (oder kürzer: multiplizieren wir die Häufigkeiten der Morphotypen mit ihrem Index und addieren wir die Produkte) und dividieren die erhaltene Summe durch die Anzahl der Zähne, haben wir den Gesamtindex ermittelt, der ein Maß für die Evolutionshöhe ist.